Buchstabensalat

Von A bis Z durch Buchstabenmuseum.
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Manche Orte werden leider zu spät entdeckt, und so erging es dem Buchstabenmuseum. Zwanzig Jahre lang haben die Inhaber ihre Sammlung von Leuchtreklamen und Schriftzügen in ganzen sechs Räumen der S-Bahn-Bögen an der Bellevue gesammelt, restauriert und ausgestellt. Noch im Sommer das Jubiläum zum Zwanzigsten gefeiert, aber schon wenige Monate später, im Oktober, muss das Museum schließen. Dank Erik auf Instagram habe ich fast im letzten Moment über die Existenz des Museums und seine bevorstehende Schließung erfahren. So habe ich nicht gezögert und den letzten Öffnungstag genutzt, um die Sammlung in ihrer kreativsten Form und Zusammensetzung anzusehen.

Schon bei der Ankunft hat man gesehen, dass die traurige Botschaft nicht wenige Interessenten angelockt hat. Viele sind gekommen, um die letzte Gelegenheit zu nutzen. Da wurde es mir klar, dass mir eine kleine Herausforderung bevorsteht: Wie fotografiere ich einen kleinen Raum, der mit Menschen und Buchstaben überfüllt ist?

Vor dem Eingang steht eine lange Warteschlange, die bis auf die Straße reicht. Immer wieder kommen weitere Menschen dazu.
Vor dem Eingang steht eine lange Warteschlange, die bis auf die Straße reicht. Immer wieder kommen weitere Menschen dazu.
Trotzdem geht es zügig voran und die erste Leuchtschrift, die wir schon von außen sehen, ist eine Überraschung: die Coca-(Cola)-Schrift in kyrillisch.
Trotzdem geht es zügig voran und die erste Leuchtschrift, die wir schon von außen sehen, ist eine Überraschung: die Coca-(Cola)-Schrift in kyrillisch.
Im Foyer neben dem prominent platzierten, weltweit bekannten Werbeslogan stehen weitere Schriften.
Im Foyer neben dem prominent platzierten, weltweit bekannten Werbeslogan stehen weitere Schriften.
Das leuchtende „A“ bringt mich auf die Idee, ein Alphabet zusammenzustellen. Da es an Buchstaben nicht mangelt, stelle ich mir eine Regel auf – der Buchstabe muss leuchten. Am Ende des Posts erfahren wir, ob ich das Ziel erreichen werde.
Das leuchtende „A“ bringt mich auf die Idee, ein Alphabet zusammenzustellen. Da es an Buchstaben nicht mangelt, stelle ich mir eine Regel auf – der Buchstabe muss leuchten. Am Ende des Posts erfahren wir, ob ich das Ziel erreichen werde.

Wörter, Namen, Menschen

Wenn man ins Museum geht, dann nicht wegen der anderen Besucher. Aber die Exponate werden in den meisten Fällen von Menschen erschaffen, und sind dafür da, von Menschen gesehen zu werden. So sind die Besucher auch Teil der Ausstellung. Das macht es auch mir, als Fotografen, es leichter meine Motive zu finden. Die Menschen interagieren mit den Buchstaben, fotografieren sie, schauen sie an, und geben ihnen so eine Bedeutung. Die letzte Ausstellung hat den Titel "Final Sale - vom Kaufhaus ins Museum" und zeigt viele Schriftzüge von Geschäften, die es nicht mehr gibt. Von Kaufhäusern, Shops, Supermärkten die mal mit Menschen gefüllt waren.

Neun Buchstaben und sechs Punkte
Plastiktüte
Geisterhaus
Neun Buchstaben und sechs Punkte

Schlecker war eine bekannte Drogeriemarktkette, die 2012 Insolvenz anmelden musste. Bei mir um die Ecke gibt es immer noch ein Gebäude, das früher mal ein Schlecker war. Das steht seit Jahren leer, aber die Schrift ist noch dran. Wenn ich hier fertig bin, werde ich da mal für ein Foto vorbeischauen.

Kundschaft
Kundschaft
Kundschaft
Galeria
Kundschaft
Galeria Kaufhof.

Kaufhof gibt es so nicht mehr, nur noch Galeria. Menschen kaufen immer mehr online ein.

Beate Uhse.
Beate Uhse.

Beate Uhse war eine Pilotin und die Gründerin des ersten Sex-Shops weltweit, was für eine Kombination der Talente. Hier fällt mir ein, dass es einem Erotikmuseum, das nach ihr benannt ist in Berlin gab. Es sind schon Jahrzehnte vergangen, seit ich das letzte Mal dort war. Das Museum musste 2014 schließen, weil das Gebäude abgerissen wurde. Traurig, das es kein neues Zuhause gefunden hat, denn es gab dort viele interessante Exponate zu sehen, so wie ein Einblick in die Geschichte von Beate Uhse selbst.

Image 1
Image 2
Image 3
Drei Berliner

Mehrfach gab es Schriftzüge mit den Wörtern Berlin und Berliner. Drei habe ich gefunden.

Rütz oder Riitz?
Brille, Stille, Wille?
Zille Stube. Z hat das Bild verlassen.
Kölsch
Rütz oder Riitz?
Buchstabensalat

Die Grundidee des Museums ist es, die Buchstaben von ihren ursprünglichen Kontext zu lösen, und sie als Kunstobjekte zu präsentieren. Das gelingt hier mal mehr, mal weniger gut. Manche Schriftzüge sind so bekannt, dass sie immer mit dem ursprünglichen Geschäft verbunden bleiben. Andere wiederum sind so abstrakt, dass sie kaum noch eine Bedeutung haben.

Image 1
Image 2
Dieser Palast ist am Boden.
GYM hebt ab.
Victoria spielt verstecken.
Papier, ja, ist geduldig.
GYM hebt ab.
Drei leuchtende Wörter, die nehme ich in die Alphabet-Challenge auf.
Image 1
Image 2
Ei oder Huhn? To be or not be? Das sind die Fragen.
Pelze: von gestern, angerostet, animiert.

Es war sehr eng in dem Raum, und voll. Ich konnte weit genug zurückgehen, um die Schrift auf ein Bild zu bekommen. Ich entscheide mich für eine kleine Serie, die am besten in der Schleife funktioniert.

D wie Dracula.
A star is born at Neon Ring.
o wie rOt
Image 3
Blau
Punkt
Der hellste Stern auf Erde muss noch zum Leuchten gebracht werden.
Image 7
A star is born at Neon Ring.
In der Halle der Neonkönigin.

Der letzte Raum ist die Werkstatt, wo die Restaurierung stattfindet. Hier werden die Buchstaben wieder zum Leuchten gebracht.

Alphabet.

Nach einer knappen Stunde sind wir durch, es wird an der Zeit, die Alphabet-Challenge abzuschließen, und wir überprüfen, ob alle Buchstaben gefunden sind. Die meisten sind gefunden, ein paar fehlen dennoch. Welche das sind, werde ich nicht verraten, das findest Du selbst heraus.

Farben und Schatten
Farben und Schatten

Kurz bevor wir das Museum verlassen, weist mich meine Frau auf das bunte Fenster neben dem Eingang, das gerade durch die Strahlen der Sonne zum Leuchten gebracht wird.

Welcome to B
Welcome to B

Draußen unter der riesigen Schrift des Museums hat ein obdachloser Mensch ein Zelt aufgestellt. Das droht auch der Buchstabensammlung, wenn kein neuer Raum bald gefunden wird.

Falls Du dem Museum in seiner härtesten Zeit helfen möchtest, dann findest Du der Seite des Museums weitere Informationen.

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